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Sagen

180. Die Feuerglocke zu Hof

180. Die Feuerglocke zu Hof.

Von Bernhard Görwitz.

Zu Hof wollt' ein Meister auf Ehrhard's Wiesen
Eine schöne, klangreiche Glocke gießen,
Die weit und breit mit dem ehernen Mund
Verkünde die heilige Gottesstund'; –
D'rum trugen die Nachbarn mit gläubigem Sinn
Manch' Stücklein Goldes und Silber hin,
Und warfen es in die Glockenspeis
Zum heller'n Klang, zu Gottes Preis! –
Und doch – so geschickt auch der Meister war,
Das Werk mißrieth ihm ganz und gar. –
Und zum zweiten Mal wagt' er in Gottes Namen
Den köstlichen Guß mit Gebet und Amen,
Und zum zweiten Mal war die Hoffnung verloren,
Und ein Mißding von einer Glocke geboren! –
D'rauf goß der Meister in Zornes Wuth
Zum dritten Mal die metallene Fluth
In's Teufels Namen in die Form,
Und die Glock' gerieth nach Regel und Norm. –
Doch als sie erprobt ward, da tönt' ihr Klang
Wie Ingrimm und höllischer Hohngesang,
Und wecket, statt Andacht, Schrecken und Grau'n,
Kein frommer Sinn konnt' ihrem Klang vertrau'n;
Solch' schrecklicher Ruf für ein Gotteshaus
Schloß jegliche gläubige Seele aus! –
D'rum hing man die falsche hoch auf den Thurm
Als Unglücksprophetin bei Feuer und Sturm,
Und so oft sie ertönt in Nacht und Graus,
Lacht der Teufel in ihr den Meister aus! –

Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 183-184.