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Sagen

425. Der Kirchenbrunnen zu Einspach

425. Der Kirchenbrunnen zu Einspach.

Eos 1818, N. 64 S. 260.

Einen auffallenden Anblick gewährt in der Pfarrkirche zu Einspach nächst dem Hundtischen Schlosse Lauterbach im Landgerichte Dachau, ein Brunnen, welcher mitten in der Kirche, nur wenige Schritte vom Hochaltar außer dem Gitter befindlich, mit einem Eimer an einer langen Kette versehen ist, so daß er den Bewohnern des Dorfes Einspach zum gewöhnlichen Gebrauche zu dienen scheint. Diese seltsame Erscheinung wird durch eine uralte Sage erklärt, welche auf einem in der Kirche zu Einspach hängenden Gemälde – renovirt 1669 – bildlich dargestellt und durch darunter stehende Reime erläutert wird.

Als man Eintausend und vier zählt hat
Der Finger Gottes groß Wunder that.
Es hielt sich auf in dem Schloß Lauterbach
Ein Mann der Vieh gefüttert zu Nacht und Tag.
Dieser wollte dem Gebot christlich auch nachleben,
Das die Kirch Gottes Oesterzeit thut geben;
Er also mit andern Hütern gangen
Das höchste Gut Willens zu empfangen,
Indessen gab ihm sein Einfalt ein,
Er soll diesen gottlieben Gast tragen heim,
Ihn als seinen Erlöser Gott und Herrn
In der Bewohnung lieben, loben und verehrn.
Mit dieser Beut er schnell nach Haus geeilt
Auch hat er auf der Stüßl sich was verweilt,
Will die Hostie nehmen aus seinem Mund
Damit er's in ein reines Tüchlein wundt;
Da entwich ihm das heilige Sakrament
Und blieb an einem Spalten hangen;
Von dannen durch einen Wind erhoben
Ist dieß Englsbrod völlig zur Erd geflogen,
Nun hört Wunder, was hiebei geschehn
Was viel hundert Menschen mit Augen gesehn,
Kaum ist die Hosti zur Erde kommen,
Ist gleich klar Wasser hervorgesprungen,
Dem Armen voller Forcht und verzagt
Kommt die Reu der That, die sein Einfalt gewagt.
Aus Sorg bewegt lauft er von hinnen
Dem Pfarr dieß Wunder zu verkünden.
Derselbe mit sammt seinem Kaplan
Und vielen so ihm waren zugethan
Besucht mit großer Andacht dieses Ort,
Zu erforschen, was gewirkt das göttliche Wort.
Da sahens mit höchster Verwunderung,
Daß Gott im neuen Brünnlein herumschwamm.
Als er ihn mit der Hand wollt erlangen,
Ist Jesus vor aller Augen untergangen,
Worauf solche Wunder geschehen waren,
Dergleichen nicht bekannt von vielen Jahren.
Daher dieser Brunn allen so angenehm,
Gleichwie der Fischteich zu Jerusalem,
Kommt dran Krank, Lam, und was preßhaft ist,
Schöpft Heil aus dem Brunnen des Herrn Jesu Christ.
Amen.

Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 448-449.