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Sagen

516. Der Bühelstein

516. Der Bühelstein.

Mündlich.

Der Bühelstein bei Grättersdorf war vor mehr als tausend Jahren ein stattliches Felsenschloß. Darinnen wohnte ein schönes Fräulein mit einem ungeheuren Schatze von Silber und Gold. Weil nun ihr ganzes Herz an dem Schatze hing, so gab sie auch der Liebe kein Gehör und verschmähte die Anträge ihrer Freier. Unter diesen war ein Zauberer, Namens Elso, der schwur dem stolzen Fräulein Rache und verwünschte ihr Schloß in Stein. Augenblicklich ward die stattliche Burg in einen Felsen verwandelt, in welchen nun die reiche Maid eingeschlossen war.

Doch war ihr vergönnt worden, an einem bestimmten Tage des Jahres wieder an's Tageslicht zu kommen und ihr Geld zu zählen. Jedes Jahr am hohen Fronleichnamsfeste, wenn es zur Wandlung läutet, öffnet sich eine verborgene Thüre im Felsen und das stolze Fräulein wandelt an's Tageslicht. Schon Manche haben sie dann auf dem Schatze sitzen und ihre Haare kämmen sehen. Zwölf Sekunden währt die Erscheinung, darnach ist keine Spur mehr von ihr zu sehen.

Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 53-54.