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Sagen

579. Die Glocke zu Kastel

579. Die Glocke zu Kastel.

Von Eduard v. Schenk. – Vgl. Eos. 1825 Nr. 189, S. 766. Denkwürdigkeiten aus der Oberpfalz 1843 S. 27.

Nach blut'ger Kaiserschlacht verhalltem Toben,
Nach Friedrichs Fall vom Thron zum Kerkerthurme,
Hat Ludwig hier auf hohem Erkerthurme
Als Siegesdenkmal mich emporgehoben.

Ich klang, um Gott für diesen Sieg zu loben,
Zum erstenmal; doch Nachts, bewegt vom Sturme,
Gedacht ich Friedrichs, seufzend ob dem Wurme
Des Grams, der im Verließ sein Herz umwoben.

Bald aber mußt' ich trauernd ganz verstummen,
Als Ludwig ward umblitzt vom Kirchenbanne
Und für ihn mehr kein Glöcklein durfte summen.

Dann erst, als Beide waren hingeschieden,
Erwacht' ich, läutete dem großen Manne
Und seinen großen Gegner ew'gen Frieden.

Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 130.