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Sagen

717. Johannesfeuer

717. Johannesfeuer.

Mündlich.

Am 23. Juni als am Vorabend St. Johannes des Täufers feierte ehemals das fränkische Landvolk, wie fast alle deutschen Provinzen, ein besonderes Volksfest. Auf öffentlichen Plätzen wurde Feuer angezündet. Alte und Junge beiderlei Geschlechts versammelten sich um dasselbe und ergötzten sich mit Tanz und Gesang. Jünglinge und Mädchen, Hand in Hand geschlossen, übersprangen auch den brennenden Holzstoß. Man bekränzte sich mit Kräutern und Blumen, mit Beifuß besonders und Eisenkraut, und in der Hand trug man eine Blume, Rittersporn genannt. Diese hielt man vor die Augen, wenn man in's Feuer sehen wollte, und glaubte dann, das ganze Jahr hindurch von allen Augenkrankheiten befreit zu bleiben. Wenn man nach Hause ging, warf man die Kränze, mit denen man umwunden war, in's Feuer, und sagte dabei: »Mit diesen Kräutern müsse alles böse Geschicke verbrennen und fern von mir bleiben.«

Quelle: Alexander Schöppner: Sagenbuch der Bayer. Lande 1–3. München 1852–1853, S. 248-249.