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Sagen

463. Das Gimaul

463. Das Gimaul.

1.

Zwei Riesen lagen einst mit Heidingsfeld in Fehde und beschlossen, es anzuzünden. Der eine ward aber, beim Einwerfen des Feuers, von den Bürgern gefangen genommen und nachher geviertheilt. Seinen Kopf, aus Holz nachgebildet, setzte man außen an die Rathhausuhr und verband ihn damit so, daß er, beim Ausschlagen der Stunden, so oft den Mund aufthut, als der Hammer anschlägt. Dieser Kopf heißt das Gimaul und ist das Wahrzeichen Heidingsfelds.

2.

In Heidingsfeld war einmal ein Rathsherr, Namens Gimann, welcher alles besser wissen wollte und so viel schwatzte, daß er nur das Gimaul genannt wurde. Nachdem er gestorben, verfertigte man ein hölzernes Abbild seines Kopfes und setzte es mit der Rathhausuhr in die oben beschriebene Verbindung. So muß das Gimaul, welches früher so viel geschwatzt, auch jetzt noch stündlich sich aufthun und ist, als Wahrzeichen der Stadt, weit und breit bekannt.

Beim letzten Schlag einer Stunde flog einmal ein Spatz in das sich öffnende Gimaul. Da es sich augenblicklich wieder schloß, war er darin eingesperrt bis zum nächsten Ausschlagen, bei dem er eiligst herausflatterte.

Quelle: Bernhard Baader: Volkssagen aus dem Lande Baden und den angrenzenden Gegenden. Band 1, Karlsruhe 1851, S. 392-393.