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Sagen

549. Das Schmeckebier zu Königsberg

549. Das Schmeckebier zu Königsberg.

(S. Hennenberger S. 210. Erläut. Preußen Bd. I. S. 615.)

Es haben die Kneiphöfer jährlich auf Christi Himmelfahrt im Schloß eine Abendmahlzeit, da man ihnen gütlich thut mit Essen und Trinken, auch mit Trommetenspiel sie fröhlich macht, das heißt man das Schmeckebier, wie sie es denn auch so schmecken, daß man etliche zu Hause führen muß. Solches soll ihnen ein Bürgerssohn, Hans von Sagan, der ein Schuhknecht gewesen, erworben haben, dadurch daß er in der Schlacht, welches die von Rudaw gewesen, das niedergelegte Fähnlein erwischt, aufgerichtet und das flüchtige und verzagte Volk wiederum gesammelt, beherzt und freudig gemacht habe, also daß sie die Schlacht gewannen (1369). Dieser Gesell hat am rechten Arm, womit er das Fähnlein gehalten, einen blauen Aermel gehabt, davon das Kneiphöfer Wappen seinen Ursprung hat, denn sie führen einen Arm mit blauem Aermel, dessen Hand die Krone emporhält, im Wappen. Man sagt auch, ein Schuhmacher, der die Ankunft der Feinde gesehen, sei eilends vom Haberberge hergelaufen, habe die Zugbrücke aufgezogen und die Bürger gewarnt. Dadurch sei der Kneiphof dem Orden erhalten worden und der Orden habe dem Schuhmacher eine Bitte zu thun versprochen und dieser habe für sich und die mit ihm kämen eine gute Collation an Bier gebeten und erhalten. Das Bild dieses Schusters befindet sich als Wetterfahne auf dem Thurme des Königl. Schlosses zu Königsberg.

Quelle: Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2, Band 2, Glogau 1868/71, S. 546.